Teegeschichte
Geschichte des Tees: Wie er zum beliebtesten Getränk wurde
Die Reise des Tees durch die Jahrtausende ist eine Geschichte voller Legenden, politischer Umbrüche und kultureller Revolutionen. Was als zufällige Entdeckung begann, hat sich nach Wasser zum beliebtesten Getränk der Welt entwickelt. Über die Ursprünge von Tee wird viel spekuliert. Doch wie hat alles angefangen?
Als sicher gilt, dass Tee seinen Ursprung in China hat, wo man ihn schon vor 5000 Jahren genoss und ihn als Heilmittel verwendete. Jedoch wurde erst in der T´ang Dynastie (618-907 n. Chr.) der Tee als Handelsgut entdeckt und es entwickelte sich ein schwungvoller Teehandel Chinas mit seinen Nachbarstaaten.
Die legendären Ursprünge in China
Die Teegeschichte beginnt, wie so oft, mit einer fesselnden Legende. Im Jahre 2737 v. Chr. soll der chinesische Kaiser Shen Nung unter einem Baum geruht und, wie es damals üblich war, sein Wasser abgekocht haben. Ein Windstoß wehte zufällig einige Blätter eines wilden Teestrauchs in seine Tasse. Das Wasser verfärbte sich golden, ein angenehmer Duft stieg auf, und der Kaiser war nach dem Probieren so erfrischt und begeistert, dass der Siegeszug des Tees im Reich der Mitte begann. (Quelle: https://www.tea.co.uk/history-of-tea)
Erst während der T’ang-Dynastie (618–907 n. Chr.), dem "goldenen Zeitalter des Tees", wurde Tee nicht nur als medizinisches Produkt sondern auch als Genussmittel entdeckt und zu einem wichtigen Handelsgut. In dieser Epoche verfasste der Gelehrte Lu Yü das erste Buch über Tee, das „Cha Jing“, welches die Teekultur standardisierte und seine Zubereitung zur Kunstform erhob (Quelle: https://teapedia.org/de/Cha_Jing).
Im 6. Jahrhundert brachten buddhistische Mönche Teesamen von China nach Japan. Während die kunstvollen Rituale in China langsam verblassten, entwickelten die Japaner eine tiefgründige und spirituelle Teetradition namens Cha-no-yu – die bis heute zelebrierte japanische Teezeremonie, die ein Kernstück der japanischen Kultur ist (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Japanische_Teezeremonie).
Die East India Company
Im Jahre 1610 erreichte die erste Teelieferung aus Japan mit Segelschiffen Amsterdam (offenbar stammt daher auch der Begriff "Orange", abgeleitet von Oranje). Die Holländer waren von da an die einzigen europäischen Tee-Importeure bis 1669 die Engländer ebenfalls in den Teehandel einstiegen. Die von den Engländern gegründete East India Company hatte daraufhin bis 1833 das Monopol für Teeimporte inne.
Aber auch auf dem Landweg wurde Tee transportiert. Teekarawanen transportierten Tee von China aus quer durch die Mongolei und Sibirien bis nach Russland. Der russische Karawanentee (Der als Cha bezeichnet wurde) galt als qualitativ besser, da er, im Gegensatz zu Tee, der auf dem Seeweg transportiert wurde, nicht der feuchten Seeluft und dumpfen Schiffslagerräumen ausgesetzt war.
Verbreitung des Tees in Europa und Amerika
Die entscheidende Wende für die Teekultur in Großbritannien kam 1662, als der englische König Karl II. die portugiesische Prinzessin Katharina von Braganza heiratete. Sie war eine leidenschaftliche Teetrinkerin und machte das Getränk am englischen Hof populär. Tee wurde zum Statussymbol der Aristokratie.
Von England und der englischen Aristrokatie ausgehend wurde Tee in Europa bald ein begehrtes Handelsgut und fand immer mehr Anhänger. Diese brachten den Tee auch mit in die Neue Welt, wo der Tee um 1760 auf dem dritten Platz der importierten Handelsgüter stand. Diese Tatsache nahm die britische Regierung zum Anlass, Tee in den Kolonien mit hohen Steuern zu belegen, um das Finanzloch, das der siebenjährige Krieg gerissen hatte, zu stopfen. Diese Steuern verursachten im ganzen Land Proteste und wütendes Aufbegehren.
Obwohl die Steuern bald darauf wieder drastisch gesenkt wurden, war es schon zu spät: Am 16. Dezember 1773 verkleideten sich Mitglieder der Freimaurerloge Saint Andrew in Boston als Mohikaner, enterten die im Hafen liegenden Schiffe der East India Company und warfen 342 Kisten Tee über Bord. Diese ‘Boston Tea Party’ gilt als Auftakt zum amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.
Das Ende der East India Company
Im 19. Jahrhundert wurde Tee verstärkt in Indien angebaut. Dadurch verlor China seine herausragende Stellung im Teeanbau. Nachdem das Teeimport-Monopol der East India Company 1834 fiel, erwuchs der britischen Schifffahrt v.a. aus Amerika starke Konkurrenz. Dieser versuchte man mit schnellen Segelschiffen mit großer Ladefläche entgegenzutreten.
Diese Teeclipper, darunter die auch heute noch erhaltene ‘Cutty Sark’, beherrschten 50 Jahre lang die Weltmeere bis 1869 der Suezkanal eröffnet wurde, welcher die Tee-Route um 7000 km verkürzte und nun auch Dampfschiffen die Gelegenheit gab, nach Südost-Asien zu fahren, da es nun genügend Gelegenheiten gab, Kohle aufzunehmen.
Anfang des 20. Jahrhunderts erreichte Tee noch einmal einen besonderen Boom. Tanztee-Veranstaltungen in sog. ‘Tea Houses’ bei denen der neu nach Europa gekommene argentinische Tango getanzt wurde, waren der Renner bei der feinen Gesellschaft der wilden zwanziger Jahre.
Tee Heute: Global, praktisch und vielfältig
Die größte Revolution für den Alltagskonsum von Tee war eine Erfindung aus dem Jahr 1949: die Firma Teekanne brachte den Doppelkammer-Teebeutel auf den Markt, der das Aroma des Tees optimal freisetzte und die Zubereitung vereinfachte (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Teebeutel). Damit wurde die Zubereitung von Tee fast zu einem Kinderspiel.
Heute ist Tee mit einer weltweiten Jahresproduktion von rund 6,6 Millionen Tonnen* das populärste Getränk der Erde nach Wasser. Insgesamt 68,2 Liter Tee* wurden 2023 in Deutschland pro Kopf getrunken, davon 40,5 Liter Kräuter- und Früchtetee sowie 27,7 Liter Schwarz- und Grüntee (*Quelle: Teereport 2024 - Deutscher Tee & Kräutertee Verband e.V.).
Dank der Globalisierung und damit einhergehender weltweiten Transportrouten können wir (fast) überall auf der Welt die verschiedensten Sorten Tee genießen. Auch die Teezubereitung ist vielfältiger geworden. Es gibt neben klasischen Teeblättern und Teebeuteln mittlerweile auch Pulvertee (Instant-Tees) und sogar flüssiges Teekonzentrat, was einfach in heißes Wasser gegossen wird. Nicht zu vergessen der Eistee - entweder frisch zubereitet oder fertig gekauft.
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